Gerade blüht der Holunder, und wer jetzt die Blüten pflückt, hat für den Rest des Sommers und den ganzen Winter etwas davon. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Holunderblüten sicher erkennst, was diese traditionsreiche Heilpflanze so besonders macht und am Ende findest du das vollständige Rezept für einen selbstgemachten Holunderblütensirup, den du direkt ausprobieren kannst.
Holunderblüte auf einen Blick
Botanischer Name: Sambucus nigra
Familie: Moschuskraut- bzw. Schneeballgewächse
Typisch: große weiße Blütendolden, süßlicher Duft, fünf- bis siebenfach gefiederte Blätter, graubraune Rinde mit Korkwarzen
Blütezeit: Mai bis Juni
Besonderheit: eine der traditionsreichsten europäischen Heilpflanzen und gleichzeitig eine der vielseitigsten Küchenpflanzen des Frühsommers

Wie erkenne ich den Holunder sicher?
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) gehört zur Familie der Moschuskraut- bzw. Schneeballgewächse und ist kaum zu verwechseln, wenn man einmal weiß, wonach man sucht.
Er wächst als astiger Strauch oder kleiner Baum und kann bis zu 4 bis 7 Meter hoch werden. Seine Rinde ist graubraun und mit auffälligen Korkwarzen (sogenannten Lentizellen) übersät. Über diese findet ein Gasaustausch zwischen Pflanze und Luft statt. Dieses Merkmal hilft dir, den Holunder sogar im Winter zu erkennen, wenn er keine Blätter trägt.
Im Frühsommer trägt er große, flache Blütendolden mit unzähligen kleinen, weißen, fünfzähligen Blüten. Der süßliche Duft zieht Insekten an und Menschen, die Sirup kochen wollen. Die Blätter sind fünf- bis siebenfach gefiedert, mit einem einzelnen Fiederblatt am Ende.
Im Herbst entwickeln sich aus den Blüten blauviolette bis schwarze Früchte mit tiefrotem Saft. Wichtig zu wissen: Während die Blüten roh genossen werden dürfen, sind Blätter, Rinde, Wurzeln und die rohen Früchte giftig. Das Cyanglykosid Sambunigrin kann roh zu starken Bauchschmerzen führen. Die Früchte müssen daher immer erhitzt werden, daher auch der Name „HolunderKOCH“.
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Wo wächst der Holunder?
Der Holunder wächst bevorzugt in der Nähe des Menschen: an Hofrändern, Waldrändern, Hecken, Lichtungen und Wiesen ist er nahezu überall anzutreffen. Phänologisch gilt: Sobald der Holunder allerorts etwa zur Hälfte blüht, beginnt der Frühsommer. Er ist also ein verlässlicher Naturkalender.

Was steckt in der Holunderblüte und was kann sie?
Die Holunderblüte enthält vor allem Flavonoide und ätherische Öle. Flavonoide sind natürliche Pflanzenstoffe, denen in der Forschung entzündungshemmende und zellschützende Eigenschaften zugeschrieben werden. Das ätherische Öl ist jener Stoff, der für den typischen süßlichen Duft der Blüten verantwortlich ist und gleichzeitig eine wohltuende Wirkung auf die Atemwege haben kann. Beide Stoffe gelten als die pharmakologisch bedeutsamsten Inhaltsstoffe der Holunderblüte und sind der Grund, warum sie in der Phytotherapie seit Langem anerkannt ist.
Welche Wirkungen werden der Holunderblüte zugeschrieben?
Kommission E, ESCOP und HMPC, also die wichtigsten europäischen Bewertungsgremien für pflanzliche Arzneimittel, erkennen die Holunderblüte bei leichten Erkältungen, Fieber und Frösteln an. Die empfohlene Zubereitungsform ist der Teeaufguss, traditionell als Schwitzkur eingesetzt.
Dem Holunder werden außerdem blutreinigend, erweichend und harntreibend wirkende Eigenschaften zugeschrieben. Interessant dabei: Die schweißtreibende Wirkung ist phytotherapeutisch anerkannt, konnte aber bis heute keinem einzelnen Inhaltsstoff eindeutig zugewiesen werden.
Holunderblütentee gilt als gut verträglich. Auch für Kinder und Schwangere sind keine Nebenwirkungen bekannt. Er kann die körpereigene Abwehrkraft unterstützen, wirkt schweißtreibend und fördert die Bronchialsekretion, was ihm eine berechtigte Rolle als begleitende Maßnahme bei Erkältungen und Fieber gibt.
Traditionell wurde abends eine heiße Tasse Holunderblütentee mit Honig getrunken, um den Verlauf einer Erkältung zu erleichtern. Zusammen mit Mädesüß gilt er in der Volksmedizin als besonders wohltuende Mischung bei Grippe und Erkältungsbeschwerden.
Holunder in Sage und Kulturgeschichte
Kaum eine Pflanze ist so tief in der europäischen Volkskultur verwurzelt wie der Holunder. Früher galt: Jedes Haus braucht einen Holunder als Schutzbaum. Die weißen Blüten und die schwarzen Beeren stehen symbolisch für Leben und Tod. Einen Holunder zu fällen galt als Unglücksbringer.
Die Göttin Frau Holle aus der germanischen und slawischen Mythologie wird mit dem Holunder in Verbindung gebracht. Wenn man sich vorstellt, wie beim Schütteln der Dolden die weißen Blüten fallen, erschließt sich das Bild aus dem Märchen fast von selbst.
Nicht umsonst sagt ein altes Sprichwort: „Zu Johanni blüht der Holler, da ist die Liebe toller.“
Rezept: Holunderblütensirup selber machen

Jetzt kommt das Herzstück: ein einfacher Holunderblütensirup, der sich mit wenigen Zutaten herstellen lässt und bis zu sechs Monate hält.
Zutaten:
– 10 bis 15 frische Holunderblüten-Rispen
– 2 Liter Wasser
– 1 kg Zucker
– 1 Zitrone (in Scheiben geschnitten)
– nach Belieben: ein paar Minzeblätter
Zubereitung:
Die frisch gepflückten Rispen und die Zitronenscheiben über Nacht (etwa 12 Stunden) in das Wasser einlegen. Am nächsten Tag den Ansatz zusammen mit dem Zucker aufkochen, bis sich der Zucker vollständig gelöst hat und das Wasser klar wird. Den Sirup anschließend durch einen Kaffeefilter oder ein feines Tuch abseihen und heiß in sterilisierte Flaschen füllen, sofort verschließen.
Heiß und sauber abgefüllt hält der Sirup etwa 6 Monate. Er eignet sich pur mit Wasser als sommerliche Erfrischung oder als Basis für den klassischen Hugo mit Prosecco.
Ein kleiner Tipp beim Sammeln: Entferne so viel wie möglich vom grünen Stängel der Dolden, bevor du sie einlegst. Die Blüten selbst sind der einzige Pflanzenteil des Holunders, der roh genossen werden darf.

Eine Pflanze, die bleibt
Die Holunderblüte ist eine der traditionsreichsten europäischen Heilpflanzen: leicht zu erkennen, fast überall zu finden und vielseitig nutzbar. Ob als selbstgemachter Sirup für den Sommer, als Erkältungstee für den Winter oder frisch im Pfannkuchenteig ausgebacken, der Holunder begleitet das Naturjahr auf seine ganz eigene Weise. Wer ihn einmal kennt, wird ihn nie wieder übersehen.
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