Manche Pflanzen möchte man im eigenen Garten lieber nicht entdecken – Ragweed gehört ganz sicher dazu. Das unscheinbare Unkraut zählt zu den stärksten Auslösern von Heuschnupfen und verlängert die Pollensaison für viele Betroffene bis weit in den Herbst.
Unterstützung könnte ausgerechnet von einer Pflanze kommen, die ebenfalls oft als lästiges Unkraut gilt: der Brennnessel. In der Naturheilkunde wird sie traditionell bei allergischen Beschwerden eingesetzt und häufig als natürliches Antihistaminikum bezeichnet.
Doch was macht Ragweed eigentlich so aggressiv? Kann die Brennnessel Heuschnupfenbeschwerden tatsächlich lindern? Und wie lässt sie sich während der Ragweed-Saison sinnvoll anwenden? Genau darum geht es in diesem Artikel.
Was ist Ragweed, und warum ist es so aggressiv?
Ragweed, auch Ambrosia oder Traubenkraut genannt, ist eine eingeschleppte Pflanze aus Nordamerika, die sich vor allem im Osten Österreichs stark ausbreitet. Für uns problematisch ist vor allem ihr starkes allergenes Potenzial.
Schon vier bis fünf Pollen pro Kubikmeter Luft können Beschwerden auslösen, während es bei Gräsern dafür grob rund das Fünffache braucht. Und weil Ragweed spät blüht, von etwa Mitte August bis in den Oktober, verlängert es die Pollensaison weit in den Herbst. Fachleute sprechen deshalb auch vom Herbstheuschnupfen.
Ein kleiner, aber wichtiger Punkt: Ragweed gehört wie Beifuß, Kamille und Arnika zu den Korbblütlern. Wegen der strukturellen Ähnlichkeit ihrer Polleneiweiße sind auch allergische Reaktionen bei bestehender Pollenallergie gegen andere Korbblütler möglich.
Kann die Brennnessel bei Heuschnupfen helfen?
Die Brennnessel gilt in der Naturheilkunde als natürliches Antihistaminikum und wird traditionell schon lange bei Heuschnupfen eingesetzt. Viele Betroffene berichten, dass ein Brennnesseltee ihre Symptome spürbar mildert.
Zusätzlich zählt die Brennnessel im Gegenteil zu Ragweed nicht zu den Korbblütlern. Das heißt, dass eine Kreuzreaktion mit Ambrosia-Pollen daher nicht zu erwarten ist.
Dennoch gilt wie so häufig: Ein Ersatz für eine ärztliche Behandlung ist sie nicht, gerade bei einer starken Ragweed-Allergie.

Wie Inhaltsstoffe der Brennnessel bei Allergien helfen können
Bei einer Allergie schütten bestimmte Abwehrzellen, die sogenannten Mastzellen, den Botenstoff Histamin aus. Er ist es, der Niesen, Juckreiz und die laufende Nase auslöst.
Genau hier setzt die Brennnessel an. Ihre Inhaltsstoffe, darunter das Flavonoid Quercetin, sollen die Mastzellen stabilisieren und so die Histamin-Ausschüttung bremsen. In Laborversuchen ließ sich dieser Effekt zeigen. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch nicht vollständig geklärt.
Aktuelle Studienlage zur Wirkung der Brennnessel bei Allergien
Die Studienlage ist ermutigend, aber noch nicht eindeutig. In einer klinischen Studie wurde eine Wirkung gegenüber Placebo beobachtet, eine weitere Studie beobachtete auch einen besseren Therapieverlauf, wenn Patienten zusätzlich zu anderen Präparaten auch Brennnessel gegeben wurde.
Gleichzeitig ist die Zahl guter Studien noch zu klein, um die Wirksamkeit als gesichert zu bezeichnen. Und auf das Immunglobulin E, den eigentlichen Auslöser der Allergie, hat die Brennnessel keinen Einfluss. Man geht deshalb von einer Linderung der Symptome aus, nicht von einer Heilung.
Praktische Anwendung: Brennnesseltee bei Heuschnupfen richtig zubereiten
Am einfachsten lässt sie sich als Tee verwenden. Übergieße ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Brennnesselkraut oder eine Handvoll frische Blätter mit heißem Wasser und lass den Tee rund zehn Minuten ziehen. Zwei Tassen am Tag sind ein guter Richtwert. Beginne am besten früh in der Saison, bevor die Beschwerden ihren Höhepunkt erreichen.
Auch wenn ihre Wirkung bei Heuschnupfen noch nicht abschließend belegt ist, hat die Brennnessel viele andere gesundheitliche Vorzüge. Sie ist reich an Eisen und Vitamin C, wirkt entwässernd und unterstützt den Stoffwechsel. Einen Versuch ist es also allemal wert.
Zwei Hinweise zur Sicherheit: Wenn du Medikamente nimmst, etwa Blutverdünner, Entwässerungs- oder Blutdruckmittel, schwanger bist oder Vorerkrankungen hast, kläre die Anwendung vorher ärztlich ab. Und bei einer starken Ragweed-Allergie, vor allem mit Atembeschwerden, gehört die Behandlung in ärztliche Hände.

Wildpflanzen verstehen: Vom lästigen Unkraut zur pflanzlichen Unterstützung
Ragweed macht deutlich, wie belastend die Natur manchmal für uns sein kann. Die Brennnessel wiederum zeigt, welches Potenzial oft in Gewächsen steckt, die wir vorschnell als Unkraut abtun. Man muss sie nur kennen und richtig anwenden. Die Brennnessel ist zum Beispiel auch ein heimisches Superfood für dein Immunsystem.
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