Vielleicht hast du den Namen schon einmal in Bezug auf Herzgesundheit gehört: Weißdorn. Er steht unscheinbar in Hecken und an Waldrändern, und kaum jemand weiß, dass er zu den wichtigsten Heilpflanzen Europas zählt.
Gerade jetzt im Herbst leuchten seine kleinen roten Früchte, die aussehen wie winzige Äpfel. Genau der richtige Moment für einen zweiten Blick.
In diesem Artikel erfährst du, wie Weißdorn auf das Herz wirkt, was die Forschung dazu sagt und worauf du unbedingt achten solltest.
Wie wirkt Weißdorn auf das Herz?
Weißdorn gehört phytotherapeutisch zu den bedeutendsten Heilpflanzen für die Herzgesundheit überhaupt. Seine Blätter und Blüten enthalten Flavonoide und sogenannte OPCs, pflanzliche Stoffe, die antioxidativ wirken und die Herzfunktion unterstützen können.
Das ist keine reine Erfahrungsmedizin. Das HMPC der Europäischen Arzneimittelagentur erkennt Blätter und Blüten als traditionelles Heilmittel bei leichten Herzbeschwerden und stressbedingten Symptomen an. Weißdorn ist also, wie auch jede andere Pflanze, kein Wundermittel, aber eine ernstzunehmende Pflanze mit sanfter, unterstützender Wirkung.
Übrigens ist Weißdorn nicht die einzige heimische Pflanze fürs Gefäßsystem. Auch die Rosskastanie wird seit Jahrhunderten für kräftige Venen genutzt.

Kein Notfallmittel: Wichtige Grenzen und Hinweise zur Anwendung
So gut Weißdorn auch erforscht ist, er ersetzt keine ärztliche Behandlung. Bei akuten Herzproblemen, etwa bei Verdacht auf einen Herzinfarkt, zählt jede Minute. Dann gilt immer: sofort den Notruf wählen.
Auch in Schwangerschaft und Stillzeit oder nach Herzoperationen solltest du Weißdorn nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt anwenden. Sanft heißt nicht, dass er beliebig verwendet werden kann.
Ist Weißdorn essbar? Verwendung von Blättern, Blüten und Früchten
Ja, und zwar komplett. Die jungen Blätter passen in kleinen Mengen in den Salat. Die Blüten eignen sich frisch oder getrocknet, zum Beispiel für einen Weißdorn Tee. Und die mehligen roten Früchte stecken voller Pektin und werden gern zu Gelee oder Mischkonfitüre verarbeitet.
Wenn du zum ersten Mal etwas mit Weißdorn zubereiten möchtest, eignet sich ein Tee aus den Blüten und Blättern besonders gut. Er ist einfach zuzubereiten, und du merkst schnell, ob dir der Geschmack zusagt. Wie bei der Eiche und ihren erst gewässerten Eicheln lohnt sich auch hier ein genauerer Blick.
Überraschender Duft: Warum Weißdornblüten besonders riechen
Überraschend ist auch der Duft der Blüten: Aus einiger Entfernung empfinden ihn viele Menschen als angenehm, doch direkt unter dem Strauch kann er eine leicht fischige Note entwickeln.
Verantwortlich sind sogenannte biogene Amine. Das sind natürlich vorkommende, basische organische Verbindungen, die beim Abbau von Aminosäuren entstehen. Beispiele hierfür sind Methylamin und Tyramin, welche auch im Weißdorn vorkommen. Tyramin kann bei empfindlichen Menschen sogar Migräne auslösen.

Moment mal. Bäume kann man auch essen?
Heimische Bäume sicher bestimmen und als Naturapotheke nutzen
Weißdorn zeigt schön, wie nah die Naturapotheke oft steht, direkt am Wegrand und meist übersehen. Ähnlich unscheinbar und doch wertvoll ist die Linde, die unsere Nerven beruhigen kann und im Sommer ganze Straßen zum Duften bringt.
Weiße Blüten und kräftige Dornen sind typische Merkmale, an denen du Weißdorn gut erkennen kannst. Wie du ihn erntest und anwendest, lernst du in unserem Kurs Waldapotheke Baum.
Dort bestimmst du heimische Bäume und Sträucher sicher, lernst sie zu essen und als Naturapotheke zu nutzen.


