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#WirsindNatur seit 12 Jahren | Dr. Patricia Purker
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Ein Tag als Kräuterpädagogin und Mama

Kräuterpädagogin Patricia mit ihrem Kind Fini in der Natur

Was sich als Kräuterpädagogin verändert, wenn man Mama wird 

Die Natur war schon immer Teil meines Alltags. Als Kräuterpädagogin war das nie eine Frage. Aber seit Fini da ist, habe ich nochmal ganz neu gelernt, wie wichtig es eigentlich ist, Natur nicht nur zu kennen, sondern sie wirklich in alle Aspekte des Lebens einfließen zu lassen. Was wir essen, womit wir die Haut einpflegen, wohin wir spazieren, was wir berühren, was wir benennen.

Fini hat mir gezeigt, dass Naturverbundenheit kein Konzept ist, das man irgendwann „einführt“. Sie entsteht durch das Vorleben. Kinder schauen sich von klein auf unglaublich viel ab, lange bevor sie selbst reden oder verstehen können, was gerade passiert. Genau deshalb möchte ich ihr die Natur schon jetzt näher bringen: mit jedem Spaziergang, mit jeder Pflanze, die ich in die Hand nehme und zeige, mit jedem Morgen, an dem auf dem Frühstückstisch etwas liegt, das wir draußen gefunden haben.

Wildkräuter zum Frühstück: Vogelmiere im Alltag einer Kräuterpädagogin 

Der Morgen beginnt ruhig, und ich versuche, diese erste halbe Stunde wirklich zu nutzen, bevor der Tag Fahrt aufnimmt. Bei uns gibt es heute ein buntes Frühstück: Avocadobutterbrot, dazu Walderdbeeren mit Blüten und Blättern, Schnittlauchblüten und ein Getränk mit frischer Melisse. Das klingt vielleicht aufwendig, ist es aber nicht. Die meisten dieser Zutaten wachsen einfach vor der Haustür oder im Garten, man muss nur wissen, wonach man schaut. Wer ein bisschen Naturwissen mitbringt, findet draußen einen Vorrat, den kein Supermarkt ersetzen kann: frisch, saisonal und direkt vom Strauch oder Beet aufs Frühstücksteller.

Walderdbeeren schmecken intensiver als ihre gezüchteten Verwandten und die Blüten und Blätter sind genauso essbar. Schnittlauchblüten haben ein mildes Zwiebellauch-Aroma und machen optisch einiges her. Und Melisse im Getränk, ob kalt oder warm, ist für mich einer der einfachsten Wege, Kräuter in den Alltag zu bringen.

Für mich ist das kein besonderer Aufwand mehr, es ist einfach Alltag geworden. Genau das ist es, was sich verändert hat: Naturwissen sitzt nicht mehr nur im Regal oder in der Ausbildung. Es liegt auf dem Frühstückstisch, es hängt in der Küche, es wächst vor der Haustür.

Natur mit Baby erleben: Kokosöl, Knäuelgras und ein Bergahorn

Fini schmiert sich mit Kokosöl gegen Zecken ein, natürlicher Zeckenschutz für Kinder

Nach dem Frühstück gibt es das tägliche Einschmieren mit Kokosöl. Kokosöl ist für uns längst mehr als Hautpflege: Es besteht zu einem großen Teil aus gesättigten Fettsäuren, darunter Laurinsäure, der eine natürliche abwehrende Wirkung gegen Insekten zugeschrieben wird. Für mich ist es ein schönes Beispiel dafür, wie unkompliziert natürlicher Schutz im Alltag aussehen kann, gerade wenn man viel draußen unterwegs ist und ein Kind dabei hat, das am liebsten alles anfassen möchte.

Danach geht es raus in die Natur mit uns beiden. Heute trage ich Fini in den Wald, unter einem großen Bergahorn bleiben wir wieder stehen und ich zeige ihr die Blätter und erzähle ihr, was ich über die Pflanze weiß. Der Bergahorn ist nämlich ein echter Allrounder: Seine geflügelten Samen, die sogenannten Helikopter oder Scharniere, drehen sich beim Fallen wie kleine Hubschrauber und können so bis zu einem Kilometer weit fliegen. „Schau Fini, der fliegt!“

Danach suchen wir weiter und landen beim Knäuelgras, einem wichtigen Süßgras, das Fini mit großen Augen betrachtet. Sie greift danach, zieht daran, schaut mich an. Was viele nicht wissen: Knäuelgras gehört zu den nährstoffreichsten Wildgräsern überhaupt und wird deshalb auch heute noch als wertvolle Futterpflanze für Weidetiere geschätzt.

Patricia und Fini unter Bergahorn

Ob sie sich das alles merkt? Wahrscheinlich nicht bewusst. Aber ich glaube, dass genau diese Momente etwas hinterlassen. Kinder, die von klein auf sehen, dass Erwachsene mit echter Neugier und Wertschätzung durch die Natur gehen, entwickeln einen anderen Bezug zur Außenwelt. Das ist nicht lehrbar im klassischen Sinne, es wird vorgelebt, und Kinder schauen es sich ab.

Naturverbundenheit vorleben: Warum es schon bei Kindern beginnt 

Kinder brauchen keine perfekte Naturpädagogik-Stunde, um einen Bezug zur Pflanzenwelt zu entwickeln. Sie brauchen Menschen in ihrer Nähe, die selbst einen Bezug zur Natur leben. Die eine Pflanze nicht einfach übergehen, sondern kurz stehen bleiben. Die einen Apfel nicht nur als Snack sehen, sondern als etwas, das gewachsen ist. Diese Art des Sehens überträgt sich, und das beginnt viel früher, als wir oft denken.

Als selbstständige Kräuterpädagogin und Mama: Prioritäten setzen und auf ein gutes Team vertrauen

Wenn Fini schläft, nutze ich die Zeit und arbeite. Heute stand ein Call mit Lisa auf dem Programm, wir sprechen über Inhalte, neue Ideen und nächste Schritte für die Naturakademie. Daneben gibt es Schreibtischarbeit, Mails und Planung.

Was ich in dieser Zeit gelernt habe: Ohne klare Prioritäten und ohne ein Team, das hinter einem steht, funktioniert das alles nicht. Ich kann nicht gleichzeitig präsente Mama, konzentrierte Unternehmerin und kreative Kräuterpädagogin sein, aber ich kann es nacheinander, wenn ich weiß, wann welcher Modus gefragt ist und wenn ich mich auf Menschen verlassen kann, die mitdenken und mitarbeiten. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine der wichtigsten Entscheidungen, die ich getroffen habe.

Gute Organisation und ein verlässliches Team sind für mich genauso ein Teil des Naturakademie-Alltags wie das Kräutersammeln selbst.

Natur im Alltag mit Kind: Was ein rollender Apfel lehrt

Kleinkind Fini spielt am Boden

Fini ist wach und es dauert nicht lange, bis das Wohnzimmer wie ein kleines Obstlager aussieht. Äpfel rollen umher, werden angeknabbert oder unter dem Sofa versteckt. Ich beobachte, wie konzentriert sie dabei ist und wie genau sie den Apfel und seine Bestandteile untersucht.

Solche Momente erinnern mich daran, dass Naturverbindung nicht immer einen Rucksack und Wanderschuhe braucht. Ein Apfel ist auch Natur. Das Interesse an Form, Gewicht, Textur, das Greifen, das Kosten, das Untersuchen, das ist der Anfang von allem. Und Fini macht das mit einer Ernsthaftigkeit, die mich jedes Mal ein bisschen zum Schmunzeln bringt, aber mir zeigt, welche Begeisterung schon in ihr steckt.

Abend als Kräuterpädagogin und Mama: Vorlesen, innehalten und den Tag nachdenken

Der Tag klingt bei uns ganz ruhig aus. Finis Lieblingsbuch wartet schon im Schlafzimmer, im Moment dreht sich bei ihr alles um Esel. Wir lesen gemeinsam, schauen die Bilder noch einmal an und danach bringe ich sie ins Bett.

Ich setze mich noch kurz hin und denke den Tag durch. Was hat Fini heute gesehen? Was haben wir berührt, gerochen, benannt? Was ist mir selbst heute aufgefallen, draußen im Wald, beim Frühstück, beim Spielen? Diese kleinen Momente der Rückschau gehören für mich dazu. Sie erinnern mich daran, warum ich diesen Weg gewählt habe, und warum ich froh bin, ihn mit Fini zu gehen.

Kräuterpädagogik und Familie: Wenn Naturwissen zur Lebenshaltung wird

Kräuterpädagogik ist für mich keine Methode, die ich anwende, wenn ich „arbeite“, und dann wieder weglege, wenn der Alltag ruft. Sie ist eine Haltung, eine Art, durch den Tag zu gehen, mit Aufmerksamkeit für das, was wächst, lebt und sich verändert. Diese Haltung verändert, wie man isst, wie man pflegt, wie man spazieren geht, und wie man ein Kind aufwachsen lässt.

Fini wird sich wahrscheinlich nicht an das Knäuelgras heute unter dem Bergahorn erinnern. Aber vielleicht wird sie irgendwann selbst stehen bleiben, eine Pflanze in die Hand nehmen und neugierig schauen. 

Kräuterpädagogin und Mama sein, so geht beides zusammen

Ein Tag als Kräuterpädagogin und Mama sieht selten perfekt aus, aber er hat eine Qualität, die schwer in Worte zu fassen ist. Naturwissen und Alltag wachsen zusammen, wenn man es zulässt: im Frühstück, im Wald, im Spielchaos, im Abend auf dem Sofa. Seit Fini da ist, habe ich das nochmal ganz neu gelernt. Und ich bin unendlich froh darüber.

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